USA-Die neue Öl-Macht

USA-Die neue Öl-Macht

Wenn die USA in diesem Tempo ihre Ölproduktion weiter ausbaut, wird sie in einem Jahr Russland als größten Ölproduzenten abgelöst haben. Wirtschaftlich, aber auch politisch ein Meilenstein.

Überraschend hatte sich der Ölpreis von Juni 2017 bis Januar 2018 um fast 70% nach oben bewegt.

Für viele (auch für mich) ein überraschender Anstieg. Zwar hatte die OPEC Ende 2016 eine Reduzierung der Fördermengen beschlossen, doch zeigte sich der Ölpreis davon zunächst unbeeindruckt. Denn in der Vergangenheit hatten sich nicht alle OPEC-Mitglieder an diese Kürzung gehalten. Außerdem nutzten die größten Öl-Produzenten der Welt, Russland und USA, die beide kein Mitglied der OPEC sind, die entstandene Lücke um ihre Produktion auszuweiten.

Maßgeblich für den starken Ölpreis-Anstieg war die boomende Weltkonjunktur. So lag die weltweite Wachstumsrate des Brutto-Inlands-Produktes 2017 bei 3,7% und damit um 0,5 Prozentpunkte höher als 2016. (3,2%) Ein sehr starker Anstieg im Vergleich der beiden Jahre.

Die boomende Weltkonjunktur führte natürlich auch zu einem höheren Öl Verbrauch, der wiederum höhere Öl-Preise zur Folge hatte.

In den letzten Monaten hat die USA die Öl-Produktion massiv ausgeweitet. Laut dem Bericht der amerikanischen Energieagentur EIA hat die USA im November 2017 erstmals seit 1970 (!) die Tagesproduktion an ÖL auf über 10 Millionen Barrel ausgeweitet. Genau 20,038 Millionen.

Damit liegen die USA gleichauf mit Saudi-Arabien und nur noch knapp hinter Russland, die mit rund 11 Millionen Barrel pro Tag die weltweite Produktion anführen.

Bedenkt man, dass die USA 2008 nur rund 4 Millionen Barrel pro Tag förderten, so benötigt man nicht viel Phantasie um zu erahnen, dass die USA demnächst Russland als größten Öl Produzenten der Welt, ablösen wird.

Drei Viertel der täglichen Produktion kommen aus dem Bereich Fracking, eine Technik die wohl immer weiter verbessert werden wird.

Die Frage, wohin sich der Ölpreis in den nächsten Monaten entwickelt ist wie immer schwer zu beantworten. Goldman Sachs beispielsweise erwartet einen Anstieg bis auf 82 Dollar pro Barrel und führt als Begründung die starke Weltkonjunktur an. Auch Saudi-Arabien hat Interesse an einem hohen Ölpreis. Denn sie planen im zweiten Halbjahr den Börsengang von Aramco, dem staatlichen Ölkonzern und wollen bis zu 100 Milliarden Dollar für die 5 Prozent des Konzerns einnehmen, der an die Börse gebracht werden. Solche gigantischen Bewertungen lassen sich nur bei sehr hohen Ölpreisen erzielen.

Allerdings kann Saudi-Arabien nicht tatenlos zusehen, wie sich die Amerikaner ein immer größeres Stück vom Kuchen des Ölmarktes abschneiden. Denn auch niedrigere Fördermengen beeinflussen die Bilanz vom Aramco negativ.

Ein Blick auf den Chart lässt vermuten, dass sich der Ölpreis zunächst mal Richtung 60 Dollar bewegt.
Danach muss man weitersehen.

Fazit:

Die deutliche Ausweitung der Ölproduktion durch die Amerikaner wird nicht ohne Auswirkungen auf den Ölpreis bleiben. Auf Sicht der nächsten Jahre sehe ich deutlich niedrigere Ölpreise. Die Tendenz steigender Zinsen weltweit wird die Weltkonjunktur etwas abschwächen, was nochmals Druck auf den Ölpreis ausüben wird. Kurzfristig ist aufgrund des Börsengangs von Aramco allerdings alles möglich. Die Saudis werden nichts unversucht lassen, ihre Interessen im Hinblick auf den Börsengang durchzusetzen.

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