Tot gesagte leben länger, das gilt auch für den Euro

Tot gesagte leben länger, das gilt auch für den Euro

Veröffentlicht von Johannes Magar  /  am 11. August 2017
Als der Euro um die Jahrtausendwende eingeführt wurde, war die Euphorie in Europa groß, insbesondere bei den neuen EU-Beitrittsländern. Auf der anderen Seite des Atlantiks waren die Bedenken gegen den Euro von Anfang an jedoch ebenfalls sehr groß.

George Soros, ein berühmter Devisenspekulant meinte gar 1999:“ Der Euro ist dazu bestimmt, eine schwache Währung zu sein“.

Oder der Nobelpreisträger Milton Friedman, der schon 1997 äußerte, daß innere Probleme den Euro zerreißen würden.

Auch aktuell werden amerikanische Berater des Präsidenten Trump nicht müde, den Euro schwach zu reden: Ted Mulloch zum Beispiel, der als Favorit für den Posten für den US-Botschafter in der EU gehandelt wurde, den Posten aber letztlich nicht bekam. Er sagte im Januar 2017 den Kollaps des Euro binnen 18 Monaten voraus.

Oder Peter Navarro, Berater des US-Präsidenten, der Deutschland unterstellte, über den schwachen Euro die Handelspartner auszubeuten…

Aktuell legt der Euro jedoch ein schönes Comeback aufs Parkett. Seit Anfang des Jahres stieg er gegenüber dem Dollar von 1,05 auf über 1,18; Tendenz steigend.

Der Auftakt für diese Kurserholung war die Wahl in Frankreich im April 2017, die mit dem neuen Präsidenten Macron einen EU-Befürworter als Sieger hervorbrachte.

Die Entwicklung von Währungen hängt stark vom Vertrauen der Anleger in die Währung, aber auch von der Notenbankpolitik ab.

Bei einem Blick auf das Verhältnis Euro/Dollar fällt zunächst mal die chaotische Politik des aktuellen Präsidenten der Vereinigten Staaten ins Auge. Selbst die eigenen Landsleute sind skeptisch. 40% der Amerikaner vertrauen ihrem eigenen Präsidenten nicht. Wie groß ist dann wohl der Vertrauensschwund außerhalb der USA?

Doch das Vertrauen, insbesondere in die Wirtschaftspolitik eines Landes, ist wichtig, wenn es um das Vertrauen in die entsprechende Währung geht.

Zusätzlich belastend für den Dollar ist die Zinspolitik der amerikanischen Notenbank.

Gingen viele Marktteilnehmer Anfang 2017 noch von steigenden Zinsen in den USA aus, schwinden diese Hoffnungen immer mehr. Dadurch entfällt das Argument des Zinsunterschiedes zwischen den USA und Europa. Denn höhere Zinsen in den USA führen zu Umschichtungen von Kapital von Europa nach USA.

Weil zudem die europäische Notenbank angekündigt hat, das Ankaufprogramm für Staats- und Unternehmensanleihen im Herbst auslaufen zu lassen, gehen die Makttteilnehmer auch in Europa von steigenden Zinsen aus. Ein Argument für den Euro.

Die deutsche Börse, allen voran die Titel im DAX reagierten zunächst „verschnupft“ auf den starken Euro. Das hängt im Wesentlichen damit zusammen, dass viele deutsche Unternehmen, allen voran die Maschinen- und Autobauer, unter dem stärkeren Euro leiden, macht er doch ihre Produkte im Ausland teurer.

Doch gibt es auch Profiteure des stärkeren Euros. Laut Ned Davis Research profitieren folgende deutsche Aktien besonders von einem festeren Euro:

LPKF, Deutz, SMA Solar, Centrotec, Tom Tailor, Aareal Bank, Basler, Jungheinrich, Sixt und United Internet.

Die Vergangenheit hat aber auch gezeigt, dass währungsbedingte Kursveränderungen nicht von langer Dauer sind, da währungssensitive Unternehmen sich das Währungsrisiko absichern können.

Fazit:

Aus meiner Sicht spricht Einiges für eine Fortsetzung des Erstarkens des Euros gegenüber dem Dollar.

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