Niedrige Zinsen = große Ersparnis für die EU Staaten

Niedrige Zinsen = große Ersparnis für die EU Staaten

Veröffentlicht von Johannes Magar  /  am 4. Mai 2018
Die niedrigen Zinsen haben auf jeden Fall einen Profiteur. Die Euro-Länder und ihre Finanzminister.

Seit Beginn der Finanzkrise haben die Euroländer rund 1,1 Billionen Euro an Zinszahlungen gespart. Eine gigantische Summe.

Seit die Finanzkrise 2008 ausbrach, hat die Europäische Zentralbank die Zinsen immer weiter gesenkt.

Bis auf ein Niveau, daß sich vor der Krise kaum jemand vorstellen konnte, nämlich auf Null!

Das bedeutet im Wesentlichen zweierlei:

  1. Der Staat braucht für seine Schulden immer weniger Zinsen zu zahlen.
  2. Der Anleger erhält immer weniger für sein Geld.

Durch diese Nullzinspolitik hat der Staat zwischen 2008 und 2017 insgesamt 162 Milliarden Euro weniger an Zinsen zahlen müssen, als in der langfristigen Haushaltsplanung veranschlagt.

Die Planung ging nämlich davon aus, dass in diesem Zeitraum Zinsausgaben von insgesamt 450 Milliarden anfallen werden.

Um die Höhe der eingesparten Zinsen besser bewerten zu können hier ein Vergleich: Es ist die Hälfte des Betrages, den der Bundeshaushalt als Ausgaben für ein Jahr vorsieht.

Die künstlich niedrig gehaltenen Zinsen haben also den deutschen Haushalt saniert.

Andere EU Länder haben im gleichen Zeitraum sogar noch mehr einsparen können: Frankreich ist der Spitzenreiter mit 275 Milliarden Euro, gefolgt von Italien mit 216 Milliarden Euro.

Nimmt man das Zinsniveau vor der Finanzkrise als Basis (es lag bei 4%), so wäre die Einsparung Deutschlands sogar bei 294 Milliarden Euro.

Natürlich sind diese hohen Einsparungen auch ein Indiz für die hohe Staatsverschuldung (aktuell 1,96 Billionen in Deutschland), die sich in den letzten Jahren aufgebaut hat. Unerwartete Einnahmen (sehr gute Konjunktur) werden auch nicht genutzt um die Schuldenlast insgesamt zur reduzieren.

Stattdessen rühmen sich die Politiker schon, wenn der Staat keine neuen Schulden mehr aufnehmen muss und der Haushalt die berühmte schwarze Null ausweisen kann.

Die nach wie vor hohen Schulden bei Bund, Ländern und Gemeinden bergen naturgemäß auch hohe Risiken, wenn die Zinsen wieder zu steigen beginnen. Insbesondere für die Gemeinden wegen des hohen Bestandes an kurzfristigen Kassenkrediten.

Allerdings sieht es momentan nicht nach steigenden Zinsen aus. Der Markt erwartet erst für das Jahr 2019 steigende Zinsen, und dann auch nur moderat.

Fazit:

Des Anlegers Leid ist des Kreditnehmers Freud. Von den niedrigen Zinsen kann nur derjenige profitieren, der Kredite aufnimmt. Doch dann am besten mit langfristigen Zinsbindungen, damit es bei steigenden Zinsen nicht zu bösen Überraschungen kommt.

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