Quo Vadis Ölpreis ?

Quo Vadis Ölpreis ?

Ende November 2016 hatte sich die OPEC auf eine Reduzierung der täglichen Ölproduktion um 1,2 Millionen Barrel auf nun 32,5 Millionen Barrel geeinigt. Der Reduzierung stimmten auch wichtige Nicht-OPEC Staaten wie Russland zu.

Die Situation schien dramatisch zu sein. Hunderte Arbeiter des Saudi-Arabischen Baukonzerns Binladin (der Konzern wurde 1931 vom Vater des Al Kaida Führers Osama Bin Laden geründet) hatten seit Monaten keinen Lohn mehr erhalten. Sie streikten und gaben ihrem Protest durch das Anstecken von Fahrzeugen und das Umkippen von Bussen Ausdruck. Die Streikführer wurden verhaftet und ausgepeitscht. Als Grund für die Zahlungsschwierigkeiten gab der Konzern an, dass die Regierung für ihre öffentliche Aufträge immer noch kein Geld gezahlt habe.

Der zuständige Minister Mohammed Aldschadaan erklärte daraufhin im Fernsehen, die Regierung werde die offenen Rechnungen innerhalb der nächsten 60 (!) Tage begleichen.

Spätestens hier wurde klar, dass die Finanzsituation Saudi-Arabiens aufgrund des stark gefallenen Ölpreises dramatisch war.

Seit 2008 gab es weltweit eine Überproduktion, die dann ab 2014 zu einem deutlichen Preisverfall führte. Anfang 2016 fiel der Preis für die Sorte Brent dann auf unter 35 $.

Vor diesem Hintergrund forcierte Saudi Arabien die Gespräche mit den OPEC Staaten hinsichtlich einer Reduzierung der Fördermenge. In diese Gespräche sollten auch die wichtigsten „Nicht-OPEC –Staaten“, allen voran Russland, einbezogen werden.

Ein erstes Treffen im April 2016 in Doha war noch von gegenseitigem Misstrauen geprägt. Ein Ergebnis kam nicht zustande. Bei einem weiteren Treffen im November 2016 konnten sich die Staaten endlich auf eine Reduzierung der Erdölförderung um täglich 1,2 Millionen Barrel einigen. Das Zustandekommen dieses „Deals“ war offensichtlich vor allem dem russischen Energieminister Alexander Nowak zu verdanken. Russland hatte bei seinen Haushaltsplanungen einen Ölpreis von 40 $ unterstellt. Zum Ausgleich des Haushaltsdefizites aufgrund des niedrigen Ölpreises musste der russische Staat schon sein Tafelsilber verkaufen (19,9% des russischen Ölriesen Rosneft wurden an ausländische Investoren verkauft). Das Land war ebenso wie alle erdölproduzierende Staaten an einem höheren Ölpreis interessiert.

Deshalb stimmte Russland einer Reduzierung seiner Ölproduktion von 200.000 Barrel bis Ende des ersten Quartals 2017 und weiteren 100.000 Barrel bis Juni 2017 zu.

Vor allem folgende Sachverhalte sind den erdölproduzierenden Statten ein Dorn im Fleisch:

  • Der weltweite Umstieg auf regenerative Energien
  • Die Schieferöl-Produktion in den USA

Beide Aspekte führen langfristig zu einer nachlassenden Nachfrage nach Erdöl. Die Zeiten von Ölpreisen über 100 $ sind meines Erachtens vorbei.

Dies liegt auch an einem Dilemma, indem sich die Erdöl fördernden Staaten befinden: Drosseln sie die Produktion zu stark, steigt der Ölpreis deutlich und die Schieferölproduktion wird noch interessanter.

Fazit:

Nach meiner Einschätzung wird sich der Ölpreis in den nächsten Jahren um die 40 -50 $ pro Barrel einpendeln. Mit diesem Preis können alle Marktteilnehmer gut leben.

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