OPEC – nur noch ein zahnloser Tiger?

OPEC – nur noch ein zahnloser Tiger?

Der Druck war so groß, dass sich alle 13 OPEC Mitglieder im Oktober 2016 auf eine Reduzierung der Öl-Fördermengen einigten. Als zusätzlichen Verbündeten gewannen die OPEC Mitglieder Russland hinzu.

Trotz aller Skepsis haben sich alle Mitglieder und Russland an die vereinbarten Fördermengen gehalten. Denn die Ausfälle durch die reduzierte Fördermenge wurden ausgeglichen durch den höheren Ölpreis. Dieser stieg zunächst auf 58$ (Brent) pro Barrel (=159 Liter) um dann Anfang Mai unter 50$ zu fallen. Aktuell liegt er bei ca. 52$.

Was auf der einen Seite wie eine Demonstration der Machte des Kartells aussieht, hat auf der anderen Seite einen für die OPEC unangenehmen Nebeneffekt. Nämlich die Stärkung der Nicht-OPEC Mitglieder Kanada, Brasilien und an erster Stelle die USA. Diese haben die Lücke gefüllt, die durch die Reduktion der Fördermenge der OPEC Statten entstanden ist.

So erhöhten die USA seit Dezember 2016 ihre Produktion um 600.000 Barrel auf rund 9,3 Mio Barrel. Diese kurzfristige Anpassung der Fördermenge als Reaktion auf das verringerte Angebot der OPEC zeigt auch die Flexibilität der amerikanischen Schieferöl Produzenten.

Mit dieser Flexibilität geht ein Teil der Macht des OPEC Kartells verloren. Dessen Beschlüsse zur Reduktion der Fördermengen laufen teilweise ins Leere.
Maßgeblich für die kurzfristige Möglichkeit der Erhöhung der Fördermengen bei der Schieferöl-Produktion ist die Tatsache, dass der Förderzyklus einer einzelnen Quelle deutlich kürzer ist, als bei der konventionellen Förderung. Die Erschließung einer Quelle von der Bohrung bis zur Förderung kann in einem Zeitraum von weniger als sechs Monaten erfolgen. Ein Großteil der förderbaren Gesamtmenge kann innerhalb der ersten 3 Jahre produziert werden. Deshalb tragen die Schieferölproduzenten auch ein geringeres Preisrisiko als die konventionell fördernden OPEC Staaten.

Für die OPEC ergibt sich daraus ein Dilemma: Reduziert sie die Fördermenge um den Ölpreis zu stabilisieren, profitieren die nicht OPEC Mitglieder gleich zweifach. Sie können einerseits durch kurzfristige Erhöhung der Produktion die entstehende Angebotslücke schließen und profitieren andererseits durch die höheren Ölpreise.

Fazit:

Aktuell wird der Ölpreis nicht wesentlich steigen, dafür sorgen schon die hohen Lagerbestände.

Und die Macht der OPEC ist deutlich geringer als noch vor einigen Jahren. Sie wird weniger in der Lage sein durch strategische Maßnahmen den Ölpreis zu beeinflussen.

Ist die OPEC also zum zahnlosen Tiger geworden? Der Tiger ist wohl noch nicht zahnlos allerdings in die Jahre gekommen und das zubeißen fällt ihm zunehmend schwerer.

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